Mittwoch, 04. April 2007 - 11:36 Uhr
Deckung, Tarnung, Täuschung – so lässt sich die Situation rund um Borussia M´gladbach in den vermutlich vorerst letzten Wochen Bundesliga am trefflichsten umschreiben. Während Marcell Jansen noch verkünden darf, dass die Spielweise der kommenden Gegner der Borussia entgegen käme, weil man viel mehr Raum hätte als gegen Frankfurt (nach bisherigen Eindrücken kam noch nicht eine Spielweise irgendeines Bundesligisten der Borussia entgegen), wird gleichzeitig auf borussia.de verkündet, dass Jos Luhukay mit fast 30 Mann trainiert, um sich auch einen Überblick über die Talente aus der Regionalliga zu verschaffen.
Es ist sicherlich kein einfaches Unterfangen, auf der einen Seite Optimismus in Richtung Klassenerhalt zu versprühen, diesen zu realisieren und auf der anderen Seite das Sieb für die nächste Saison anzusetzen. Ganz nebenbei müssen auch noch positive Schlagzeilen für Präsident Rolf Königs abfallen, der sicherlich nicht ganz so locker in die Jahreshauptversammlung im Mai gehen wird.
Dabei fährt der Präsident einen politisch cleveren Kurs. Er hat mögliche Oppositionelle aus dem internen Kreis wie Christian Ziege, Steffen Korell und Max Eberl mit ins Boot genommen, dem geschiedenen Peter Pander noch schnell den Stempel für die missratene Personalpolitik aufgedrückt mit dem klitzekleinen Hinweis, man habe Pander etwas zu freie Hand gegeben. Korell und Eberl stehen zudem für erfolgreiche Aufstiegszeiten, Ziege sogar für den großen internationalen Fußball – Sympathieträger der Marke jung und dynamisch sind sie außerdem. So hat sich Königs kritische Stimmen aus den eigenen Reihen vom Leibe gehalten und verkraftete das Gebrüll des Tigers aus Florida weise lächelnd. Selbst die Pille, dass drei der vier Hauptdarsteller des Kompetenzteams allesamt aus der Hochstätter-Ära stammen, schluckte der Präsident, um an der Macht zu bleiben.
Der frische Wind wirkte sofort in der Außendarstellung. Obwohl verbesserte Ergebnisse ausblieben, wurde die Borussia für ihre engagierte Spielweise, in der sie sich von den 17 anderen Bundesligisten nur leider nicht unterscheidet, wochenlang über den grünen Klee gelobt. Platz 18 blieb. Die Initiative „Ein Team“ sorgte nochmals für 14 Tage gute Schlagzeilen und übertünchte – Platz 18. Derweil ging der Sinn für die Realität auf dem Platz flöten. Die Borussia erspielt sich nach wie vor kaum Chancen, Luhukay ist mit dem Profikader, den er nicht zu verantworten hat, genauso ratlos wie die Trainer zuvor, wechselte zwischen zwei Spielsystemen und sortiert Schritt für Schritt Spieler aus, die nicht seinen Anforderungen entsprechen. Zuletzt fiel David Degen durch, zuvor wurden Bernd Thijs, Wesley Sonck, Alexander Baumjohann und Mikkel Thygesen mehr oder weniger eliminiert.
Stattdessen soll jetzt in der Offensive die U 20 der Borussia die Kohlen aus dem Feuer holen und wie immer in M´gladbach zieht die Karte Jugend auch in dieser Saison. Anstatt zu hinterfragen, ob Moses Lamidi gegen Eintracht Frankfurt wirklich eine Hilfe war (er gab nicht einen Torschuss ab) und ob Marko Marin wirklich mehr brachte als andere (ohne seinen Freistoß auf Insuas Kopf hätte kaum jemand von ihm Notiz genommen), wird die Auferstehung einer neuen Fohlen-Generation gefeiert. Trotzdem ist Gladbach noch 18. und es steht zu befürchten, dass auch noch so forsche Youngster daran nichts ändern.
Während in anderen Vereinen die Kräfte gebündelt werden, um konzentriert und engagiert einen Abstiegskampf zu bestreiten, wird bei Borussia mit einem Riesenkader experimentiert anstatt mit einem engen Kreis aus Spielern Luhukays Vertrauens die Saison zu Ende zu spielen – wenig förderlich. Man kann es sich offensichtlich leisten, denn es sind ja noch 21 Punkte zu vergeben und Borussia sei noch nicht abgestiegen wie Oliver Neuville kundtat. Dabei läuft die Propaganda, diesen Abstieg wohlwollend zu verkaufen bereits seit Wochen – und am Ende wird Gladbach in Liga 2 landen und fast keiner hat es bemerkt, weil „Ein Team“ so große Fortschritte gemacht hat – unter Jos Luhukay, dem dieses Desaster nur begrenzt anzulasten ist, übrigens von Platz 17 nach 19 Spieltagen auf Platz 18 mit wachsendem Rückstand von 3 auf 5 Punkten.