Sonntag, 05. Juni 2005 - 19:32 Uhr
Der blonde ‚Bruno’ fand 1978 den Weg an den Gladbacher Bökelberg. Udo Lattek holte ihn in sein Team. Eigentlich hatten die Gladbacher die Fühler nach einem anderen Blondschopf ausgestreckt, denn der junge Bernd Schuster sollte verpflichtet werden. Der spätere „blonde Engel“ hatte es jedoch vorgezogen, trotz eines in Gladbach unterschriebenen Vertrages beim 1. FC Köln anzuheuern.
Bruns spielte ob der Konkurrenz (Wittkamp, Wohlers) auf der Liberoposition im Mittelfeld, fand sich dort nicht zurecht und wurde nach Düsseldorf ausgeliehen. Dort setzte er sich unter Otto Rehagel (Bruns: »Rehagel war nicht das Wahre für mich«) aber auch nicht durch und kehrte nach Gladbach zurück. Am Bökelberg war Jupp Heynckes mittlerweile Cheftrainer und brachte Bruns auf ‚seine alten Tage’ als Libero groß raus. 1984 durfte er als 29-Jähriger sogar in der Nationalelf debütieren und immerhin 4 Mal trug der Mühlheimer das Trikot mit dem Bundesadler.
Bei den Gladbacher Fans sind vor allem seine Antritte in bester Erinnerung, wenn er aus der eigenen Hälfte nach vorne stürmte. Unvergessen ist sein ‚Nicht-Tor’ im Münchener Olympiastadion, als er bei einer 0:4 Niederlage nach einem unglaublichen Solo mit einem strammen Schuss den Pfosten traf, der Ball auf der Linie entlang zum anderen Pfosten lief und von dort aus wieder ins Feld sprang.
1990 beendete Bruns seine Karriere am Bökelberg und ist momentan als Trainer in der Oberliga Nordrhein unterwegs. Ab dem 1. Juli betreut er den Oberligisten SSVg Velbert 02.
In der aktuellen Ausgabe des Magazins ‚11 Freunde’ äußert sich Bruns nun in einer Kolumne zur Situation bei der Borussia. »Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, was in den letzten Jahren bei Borussia Mönchengladbach abgelaufen ist«, sagt er. Er macht einen Wandel in der Struktur für Borussias Probleme verantwortlich: »Der Klub wurde von Dr. Helmut Beyer, Dr. Alfred Gerhards und Helmut Grashoff so gut geführt wie kein zweiter. Sie sorgten für ein sehr persönliches Umfeld und legten damit den Grundstein für die Erfolge«.
»Seit gut zehn Jahren läuft aber fast alles schief«, kritisiert Bruns. Er sieht in Rolf Rüssmann einen Grund, der »viele alte Strukturen zerschlagen hat« und wirft dem ehemaligen Manager vor, der »Anfang vom Ende« gewesen zu sein.
Denn für ‚Bruno’ ist seit dieser Zeit das Besondere am Club verloren gegangen. »Borussia ist ein Verein wie viele andere geworden«. Bruns schimpft auf seinen »alten Zimmerkollegen« Christian Hochstätter, weil der Ewald Lienen entließ und »mit aller Macht seinen Kumpel Holger Fach ins Amt drücken wollte«.
Und einmal in Rage haut der mittlerweile Schwergewichtige weiter drauf. Nicht nur Hochstätter habe sich zum Negativen verändert, sondern überhaupt gebe es im Verein zu viele Selbstdarsteller. Er kritisiert Präsident Königs, dass er unbedingt Dick Advocaat holen musste. Einen Trainer, der so Bruns, ob seiner Methoden »im heutigen Fußball eigentlich nichts mehr zu suchen hat«.
Bruns zum Kapitel Advocaat: »Bei der Borussia sollte sich keiner wundern, dass es so ein Ende nehmen musste«.
Trotz einiger Bedenken (»Die Schraube wird freilich schwer zurückzudrehen sein«) sieht ‚Bruno’ aber nicht ganz schwarz für seinen VfL (»Die Borussia war schon als Kind mein Verein«). Er rät, sich ein Beispiel am alten Rivalen FC Bayern zu nehmen, wo trotz aller Erfolge »ein persönliches Umfeld bewahrt« wurde. Und er setzt auf Peter Pander, von dem er zwar nicht viel weiß, der sich aber bislang »äußerst kompetent angehört« habe.
»Ich hoffe, er schafft die Wende und sorgt dafür, dass aus Borussia Mönchengladbach wieder ein besonderer Verein wird«, gibt Bruns Pander mit auf den Weg. Und das nicht, ohne darauf hinzuweisen, dass Pander gegenüber seinem Vorgänger den »unbestreitbaren Vorteil« habe: »Er kann es nur besser machen« ...